Haiku? [ein Beispiel]

Ist das ein Haiku?

Komm, gehen wir spazieren,

bevor es dunkelt!

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3 Gedanken zu “Haiku? [ein Beispiel]

  1. Haiku? ist ein erstes Beispiel, das zuerst zeigen soll, wie die Diskussion zu einem Haiku hier technisch aussieht.

    An jedem Freitag wird von mir hier als neuer Beitrag e i n Haiku ohne Verfassernamen eingestellt.
    Wer sich registriert hat, kann die Kommentar-Funktion nutzen, um an der Diskussion über das Haiku der Woche teilzunehmen.

    In der Desktopversion findet sich der Einstieg in die Kommentarmöglichkeit gleich unter der Überschrift des Haikus.
    Auf dem Smartphon oder Tablet liegt sie unterhalb des Haikus selbst.

    Aber wer das hier liest, hat den Weg ja schon gefunden. Glückwunsch! 🙂

  2. Dieses Haiku ist aber nicht nur ein technisches Beispiel, sondern auch ein Text, der unter der Frage, die er selbst stellt, diskutiert werden kann: Ist das ein Haiku?
    Diese Frage kehrt vor allem bei Anfängern ständig wieder. Hier ist auch ein Lernort für Anfänger, zumal beim Haiku wohl niemand jemals ausgelernt hat.
    Beiträge, die besonders für Anfänger empfohlen werden, können unter dem Schlagwort Anfänger gesondert aufgerufen werden.

    Ist das ein Haiku? Mitunter führt diese Frage zu Diskussionen, die an dem Text selbst gänzlich vorbeilaufen. Dann ist man schnell versucht, Verbesserungsvorschläge zu machen, damit es ein „richtiges Haiku“ wird. So berechtigt das im einzelnen sein mag: Für Autoren, die doch mit ihrem Text etwas mitteilen und anstoßen möchten, kann das recht frustrierend sein, wenn sich bei ihnen das Gefühl einstellt, zwar ausführlich belehrt, aber kaum gehört zu werden. Bevor das geschieht, plädiere ich dafür, dass man sich erst einmal auf den Text, so wie er geschrieben wurde, einlässt. Hörbereit sein – das ist das erste Gebot im Logo der Haikulupe.

    Aber zurück zu dem Text und der Frage: Ist das ein Haiku?
    5-7-5 Silben in drei Zeilen hat er. Das ist meistens das erste, was jemand über Haiku lernt. Aber siebzehn Silben machen an sich ebenso wenig ein Haiku, wie eine Schwalbe einen Sommer macht.
    In der modernen Haikuwelt hat dieses Silbenschema längst an Bedeutung verloren. Im Deutschen und im Englischen werden oft weniger Silben gebraucht, um wirklich vollgültige und sehr gute Haikus zu schreiben. Die Silbenzählerei beruht ohnehin auf einem Missverständnis, da die Sprachen in ihrer Struktur und in ihrem durchschnittlichen Bedeutungsgehalt pro Lauteinheit so unterschiedlich sind, dass eine mechanische Übertragung bestimmter Maße dem Wesen des Haiku völlig unangemessen ist.

    Wir müssen uns dem Text also anders nähern. Die nächste Auffälligkeit: Er ist kein durchgeschriebener Satz, sondern besteht aus zwei Teilen, deren Zusammenhang zunächst nicht ganz klar ist. Das ist ein wichtiges Grundmuster, nach dem viele Haikus gebaut sind. Wir sprechen von einer Juxtaposition (Näheres dazu in der Schatzkammer). Was hat in diesem Text die erste Zeile mit den beiden folgenden zu tun? Offensichtlich handelt es sich hier um ein Gespräch zwischen zwei Personen. Die erste fragt, was ein Haiku ist, woraufhin die zweite mit einer Einladung zu einem Spaziergang antwortet, bevor es dunkelt.

    Beim Haiku geht es um Sinneseindrücke und Wahrnehmungen, die ohne Kommentar, ohne Reflexion, Wertung und Deutung, einfach aufgezeigt und dem Leser vorgelegt werden. Es ist unüblich, dass in einem Haiku ein Gespräch wiedergegeben wird.
    Damit kommen ernste Zweifel auf, ob der Text hier ein Haiku ist.
    Andererseits mag man zurückfragen, ob denn das Übliche als solches der gültige Maßstab für ein Haiku sein kann? Die Grundregel, Geschehenes und Erlebtes ohne Kommentar zu präsentieren, wird ja nicht verletzt. Auch ein Gespräch ist Teil der erlebbaren Wirklichkeit.
    Noch mehr spricht aber der Inhalt des Gespräches dafür, hier einem Haiku zu begegnen: Auf die theoretische Frage, was ein Haiku ist, wird gerade nicht auf gleicher Ebene mit einer theoretischen Erklärung geantwortet, sondern mit einer praktischen Aufforderung, in die Welt hinauszugehen, um selbst wahrzunehmen, was zu sehen ist, bevor es dazu zu spät ist.
    Eine Aufforderung mit Ausrufezeichen?? Das gehört doch nicht in ein Haiku, oder?!

    Was ist denn nun bitteschön ein Haiku? Ist es nicht ein Geschehen, das zu dir kommen kann, wenn du es nicht ergründen oder gar machen willst, sondern dich auf die Begegnung mit dem, was draußen geschieht einlässt?

    Es ist seltsam mit diesem Text: Es gibt wichtige formale Gründe, die dagegen sprechen, dass er ein Haiku ist. Aber inhaltlich gibt er eine ebenso überraschende wie treffliche Antwort auf die Frage, was ein Haiku ist.
    Vielleicht ist er ein Beispiel dafür, dass wir ab und zu auch vergessen sollen, was ein Haiku ist, damit Haiku geschehen kann…

  3. Ist das ein Haiku?
    Lasst uns spazierengehen
    wenn es dunkelt

    Mein Gegenvorschlag, der vielleicht einige Tiefen mehr bringt; ansonsten vielen Dank für die Haikureflexionen.
    Frdl. Gruß
    gerald böhnel, Hamburg Billwerder 16.3.16

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