7. Im Glashaus

Im Glashaus

Sie lachen nie

die Schaufensterpuppen

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4 Gedanken zu “7. Im Glashaus

  1. Oder:

    sie lachen nicht
    die schaufensterpuppen
    im glashaus

    Das „nie“ ist mir persönlich nicht gegenwartsbezogen genug – wenngleich das in diesem Fall vielleicht etwas albern klingen mag. Ansonsten: super! Danke fürs Lesenlassen!

  2. Die Umstellungsversuche meiner Vorredner kann ich nachvollziehen. Sie nehmen der Wendung „im Glashaus“ in a ihre isolierte Stellung und verbinden sie enger mit den nie lachenden Schaufensterpuppen.

    Doch auch hier möchte ich zuerst am Text bleiben und ihn zu verstehen suchen. Es kann ja gut möglich sein, dass die vermeintliche Sperrigkeit zwischen a und bc zugleich neue Räume eröffnet, die durch eine Glättung verschlossen werden. Immerhin handelt es sich dabei um eine Juxtaposition, die beim Haiku als wichtiges Stilmittel gilt.

    „Wer im Glashaus sitzt“ – der Beginn des Haikus lässt mich an die bekannte Spruchweisheit denken – der soll nicht mit Steinen werfen.
    Doch dann nimmt der Text eine andere Wendung und schließt an das Fragment einen neuen Gedanken an, der – für sich genommen – eine Beobachtung aus unserem Alltag zur Sprache bringt: Schaufensterpuppen lachen nicht.

    Wenn ich mich recht entsinne, war das früher anders. Da gehörte ein „gewinnendes“ Lächeln dazu. Warum hat sich das eigentlich geändert? Gilt das Lächeln heute als albern oder aufgesetzt? Wird es nur noch als „ewiges Grinsen“ empfunden? Oder kommt es vor allem darauf an, dass die Schaufensterpuppen „cool“ wirken, weil „cool“ heute als erstrebenswert und damit auch begehrenswert gilt?

    Zurück zum Haikuzusammenhang: Um den Zusammenhang von „Im Glashaus“ und den nie lachenden Schaufensterpuppen geht es.
    Auffällig ist, dass b und c nicht durchgängig konstruiert ist, sondern in b zunächst nur das Pronomen erscheint, das erst am Schluss durch die Schaufensterpuppen konkretisiert wird. Dadurch bekommt b eine Scharnierfunktion und kann sowohl mit a wie auch mit c verbunden werden.

    Neben den sofort erkennbaren und verständlichen Zusammenhang, dass Schaufensterpuppen nie lächeln, tritt also noch eine andere Lesemöglichkeit: auch die im Glashaus lächeln nie.
    Hier stellt sich natürlich sofort die Frage, ob das stimmt. Lächeln die im Glashaus nicht eher zu viel? Wenn wir dabei an die „VIPs“ und „Promis“ denken, die sich uns täglich medial präsentieren, dann entsteht doch wohl eher der Eindruck eines Dauerlächelns!
    Oder ist das gar kein echtes, von innen kommendes Lächeln mehr, weil, ja weil sie uns wie Schaufensterpuppen hinter den allgegenwärtigen Scheiben und Screens be- oder vielleicht besser noch: ent-gegnen?

  3. ja, diese schaufensterpuppen lachen nie in diesen glashäusern, die heutzutage die zentralen der macht sind – in all den städten und ländern unserer modernen welt. sie sind wie marionetten – oder eben austauschbare puppen, die ihre arbeit machen in der auslage, in der sie sich bewegen – vollkommen im trend – vollkommen isoliert durch das glas der dicken scheiben von den menschen, die ihnen dann doch irgendwie nacheifern wollen. sie geben als tonlose „puppen“ den ton an in den kozernen und regierungen und management-menagerien.
    nach außen zeigen sie das, was als gut, schön, modern und angesagt gilt. was innen genau passiert, davon wird nicht so gerne geredet. die echten menschen haben sie selten noch lachen gesehen.
    😉

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