Wem gehört das Haiku?

In den Haikuforen kann man zwei unterschiedlichen Aussagen, begegnen, die sich auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen:

Das Haiku gehört dem Leser.
und – an den Autor gerichtet – Es ist dein Haiku.

Hier stoßen zwei Merkmale aufeinander, die wie zwei Seiten einer Medaille die Besonderheit des Haiku als kommunikatives Ereignis widerspiegeln.

Auf der einen Seite stehen selbstverständlich das Recht des Autors, sein Haiku so zu gestalten, wie er möchte, und damit verbunden das Urheberrecht, es zu publizieren.

Auf der anderen Seite aber steht das Recht des Lesers, das Haiku auf seine Weise zu verstehen und zu deuten. Es kann sein, dass er dabei ganz andere Wege geht als der Autor und zu völlig anderen Schlüssen kommt. Diese können sogar weitreichender und tiefsinniger sein, als von Autor ursprünglich gedacht und beabsichtigt.

So wie dem Autor niemand vorschreiben kann, wie er sein Haiku zu formulieren hat,
so kann auch niemand – auch der Autor nicht – gegenüber dem Leser entscheiden, ob dieser das Haiku „richtig“ oder „falsch“ interpretiert.

Entscheidend ist allein,
wie viele Leser sich in welcher Weise auf den Text eines Autors einlassen
und wie viele die Interpretation eines Lesers in welcher Weise aufnehmen.

Es gibt nicht“ richtig“ und „falsch“.
Es gibt nur Schreiben und Verstehen.
Erst im Schreiben U N D Verstehen ereignet sich das Haiku.

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