10. Pfingstgottesdienst

Pfingstgottesdienst

eine Taube gurrt in die Stille

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3 Gedanken zu “10. Pfingstgottesdienst

  1. Die Taube als Friedensbotschafterin. Gurrt vielleicht, weil sie lüstern ist und sich mal nicht um den meschlichen Frieden, sondern um ihre eigenen Bedürfnisse kümmern will. In die Stille, sie bekommt keine Antwort? Welche Stille könnte gemeint sein? Eine Waffenruhe? Es bleibt für mich doch sehr offen. Hängt die Stille vielleicht mit dem Pfingstgottesdienst zusammen? Ist es still, weil alle Leute in den Gottesdienst gegangen sind? Und weshalb Pfingsten? Alle reden an Pfingsten durcheinander in zig verschiedenen Sprachen, bis der hl. Geist mit Gebraus vom Himmel kommt. Also nix mit Stille. Mein Fazit: mir gibt das Haiku nicht viel. Vor allem die Stille erscheint mir hier doch recht nichtssagend.

  2. Auch ich habe eine Anfrage an die Stille.

    Doch zunächst zum Verständnis des Haiku:
    Pfingsten ist das Fest, bei dem nach kirchlicher Tradition an die Ausgießung des Heiligen Geistes erinnert wird. In der Pfingsterzählung wird dieser Geist mit Feuerflammen verglichen, die sich auf die Köpfe der Jünger setzten und sie befähigten, in fremden Sprachen zu predigen. Das hauptsächliche Bildzeichen für den Heiligen Geist ist jedoch eine vom Himmel kommende Taube.
    Eine säkulare Entsprechung findet sich in der Friedenstaube, die durch Pablo Picasso 1949 zu einem Symbol der weltweiten Friedensbewegung wurde.

    Das Haiku greift darauf zurück und erinnert zunächst an den Zusammenhang zwischen dem christlichen Pfingstfest und der Taube.
    Das ist wenig überraschend und kann schnell als Allgemeinplatz erscheinen.
    Das Besondere ist hier jedoch, dass die Taube vom bloßen Symbol zurück naturalisiert wird und nun mit eigener Stimme in den Gottesdienst gurrt, der ihr mit seiner andächtigen Stille, einen sehr speziellen Resonanzraum bietet. Symbol und Wirklichkeit begegnen sich auf eigentümliche Weise, und das kann Fragen aufwerfen…

    So weit kann ich dem Haiku gut folgen.
    Zwei Anmerkungen habe ich allerdings:

    1. Im Unterschied zur Meditation ist ein Gottesdienst weniger von Stille geprägt als von Reden, Beten, Singen und Musizieren.
    2. Das Haiku lebt von der oben beschriebenen Doppelbödigkeit. Es kann m.E. an Klarheit und Schärfe gewinnen, wenn die Spannung zwischen beiden Seiten noch mehr betont wird.

    Aus diesen beiden Erwägungen heraus komme ich zu folgender Variante:

    Pfingstgottesdienst
    eine Taube gurrt
    ständig dazwischen

  3. bei diesem haiku hab ich mir gedacht, dass es wohl nur für jene menschen gut wirken kann, welche selber mit dem christlichen glauben und dessen riten bewandert sind. ich bin das eigentlich nicht, doch kann auch ich ein wenig mit dem thema pfingsten, heiliger geist und dazugehöriger taube verbinden.
    die stille des gottesdienstes kann vielleicht jene sein, die manchmal entsteht, wenn gerade rituelle pausen im raum eine solche erzeugen, denn von vielem gerede oder gesinge ist ja nicht die ganze zeit die kriche voll. zum beispiel die zeit nach der kommunion, wo die menschen schweigend zurück zu ihren plätzen gehen, hab ich recht still in erinnerung. in eine solche stile kann so eine taube schon „hineingurren“.
    es kann aber auch sein, dass der gottesdienst mit nur sehr wenigen teilnehmern stattfindet und deshalb besonders still abgeht. in meiner lebenswelt sind die kirchen viel leerer geworden bei den gottesdiensten. ich sehe vor mir das bild eines gottesdienstes mit relativ wenigen teilnehmern und auche wenig lebendigem getue und gewusel. eine zeremonie, die immer gleich und ruhig abgeht und wenig lebenserneuerndes in sich hat, wo es doch um die geistige erneuerung und inspiration gehen sollte. und dann kommt da diese taube daher und gurrt unbeirrt und lebendig vor sich hin. sie passt sich nicht den usancen und gepflogenheiten der messfeier an. sie macht genau das, was sie in diesem moment machen will – ohne sich dabei was zu denken – ganz aus ihrem natürlichen verhalten heraus.
    also inhaltlich ist für mich schon einiges in diesem haiku drinn.
    vom klang her gefällt mir aber heinzens variante besser. allerdings würde ich das wort „ständig“ weglassen. ich finde, das bräuchte es nicht.

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