14. Magnolienblüten

Magnolienblüten meine Hände auf ihren Babybauch legen

(Das Haiku wurde einzeilig geschrieben.)

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6 Gedanken zu “14. Magnolienblüten

  1. Für unser Gespräch wäre es hilfreich, wenn mit den zustimmenden oder kritischen Anmerkungen eine Begründung verbunden würde. Nur so kann die Beschäftigung mit den hier vorgestellten Texten der Vertiefung unseres Haikuverständnisses dienen.

  2. Es ist für mich nicht nur ein wunderbares Bild, sondern auch ein Haiku.
    Unausgesprochene Erkenntnisse werden hier in einfachen Worten berührend zur Sprache gebracht.

    Hier trägt nicht nur die Blüte eine Frucht in sich. Dieses Werden und Vergehen.

    Die Verschränkung von „meine Hände“ ist sehr gut gelungen. Deshalb ist wohl auch die Einzeiligkeit gewählt worden. Man könnte es aber auch zweizeilig schreiben. Das Haiku ist wunderbar.

    Elke

  3. Zunächst sind es ja zwei Bilder, wobei ein großer Schritt zum Haiku ja schon vollendet ist. Magnolienblüten, dieses Bild der kräftigen, aber kurzlebigen Blütezeit, verbunden mit dem urwüchsigen Busch und den bizarren Früchten, erweckt in mir schon allein ein Bild der Zerbrechlichkeit. Meine und ihren, das knüpft das unsichtbare Band zwischen den Personen, das in der Berührung der Hand auf dem Bauch seine Vollendung, seine Verwirklichung findet. Allein dies wäre schon intim genug. Doch der Höhepunkt liegt im Verborgenen und wandelt das Haiku in ein schimmerndes Licht des Friedens und der Zuversicht. Die Zerbrechlichkeit der Leibesfrucht findet in den Magnolienblüten ihre Entsprechung. Sehr gelungen!

  4. Vielleicht könnte man statt ‚Babybauch‘ auch einfach nur ‚Bauch‘ schreiben. Dadurch wäre das Haiku natürlich wesentlich schwerer zu entschlüsseln, aber gerade ’schwierige‘ Gedichte üben oft einen besonderen Reiz aus.

  5. Wieder einmal ein G e s p r ä c h über ein Haiku!


    Wieder einmal verschiedene Ansichten, wieder einmal das Umkreisen eines geheimnisvollen Textes. Und bisher hat noch keiner gesagt: „Man muss nicht alles zerreden!“

    
Bitte, es geht doch, dieses gemeinsame Nachdenken über Worte, die berühren oder-und auch ratlos machen!

    Kommunikation auch über die Grenzen der eigenen Meinung hinweg ist keine Bedrohung, bei der man gleich die Nichtalleszerredenbremse ziehen muss, sondern ein Geschenk von AndersARTigkeit, das meinen Horizont aufbricht. Ich kann nur gewinnen, wenn ich einmal durch den Vorhang des allzu Vertrauten schreite.


    
So viel an Vorrede, die ich einfach mal loswerden muss – als Ermutigung zum Gebrauch der eigenen Meinung und zum Wagnis auch unfrisierter Gedanken.


    
Dieser Text ist m.E. ein wunderbares Geschenk für die Haikulupe. Schon dadurch, dass er gleich die Frage provoziert, ob es überhaupt ein Haiku ist!
    Ja, geben wir es doch ruhig einmal zu: Wir denken in Kategorien und packen in Schubladen. ‚Ein Haiku muss doch eigentlich…‘ 
Und gleichzeitig kommt uns das komisch vor und berührt uns vielleicht sogar peinlich. Und möglicherweise vermeiden wir auch deshalb das Gespräch „über“ Haiku. Und ist nicht sowieso alles Intuition und unmittelbares Erfassen und muss man nicht alles nicht zerreden müssen?

    
Was für ein behagliches Plätzchen, haben wir uns damit eingerichtet! Ich bin versucht, es den Garten der Stagnation zu nennen.
 Doch Worte können mehr, viel mehr! Es sind manchmal auch Schneisen, die ins noch unvermessene Dickicht des Lebens geschlagen werden. Und darüber kann und darf gesprochen werden, auch und gerade aus der nüchternen Perspektive fragender Nachdenklichkeit und Sprachbetrachtung.

    Ooops, ich bin ja immer noch bei der Vorrede! Was will ich denn nun eigentlich sagen?

    Ja, äh, also dieser Magnolienblütentext macht mich zunächst ratlos. Und das ist auch gut so!
    Dafür kriegt er von mir schon mal einen Haikupunkt.
    Ein Haiku, das mich nicht wenigstens ein klitzekleines bisschen stocken lässt, ist für mich bestenfalls ein hübsches Stück Kunstgewerbe von der Andenkenbude neben dem Großparkplatz.


    Will ich schon wieder abschweifen?
Also dieser Magnolienblütentext…:


    
Die Einzeiligkeit ist für mich überhaupt kein (Nicht-)Haiku-Kriterium. Natürlich nicht! Der Text muss in seiner Linearität stimmig sein. Das ist alles, worauf es mir ankommt.
Und hier bewirkt der Verzicht auf Zeilenumbrüche genau diese Irritation: Wo hört der Baum auf, und wo fängt der Bauch an?
 
Verbindend dazwischen liegen „meine Hände“. Und diese Hände sind nicht nur irgendwie abstrakt vorhanden, sondern „legen“ sich – abschließend. Damit wächst der ganze Teil nach den Magnolienblüten zu einer Bewegung zusammen. 

So ergeben sich vom Text her – wie hier schon von anderen oben festgestellt wurde – wieder zwei Bilder, die hier, in den Rahmen der Einzeiligkeit gestellt, zu einem Doppelbild verschmolzen werden.

    Es ist – wie Elke oben schon mit dem Gedanken der Verschränkung angedeutet hat – die Scharniertechnik: Wir können „meine Hände“ auch rückwärts mit den Magnolienblüten verbinden und durch sie interpretieren. Die Größe der Blüten, aber vor allem ihre Zartheit verleiht den Händen eine besondere Qualität, die sie wiederum auf den Babybauch und das darin wachsende Kind übertragen. Man kann darin so etwas wie einen übergreifenden, alles Geschöpfliche verbindenden – und in e i n e Reihe bringenden – Gesamtzusammenhang des Lebens sehen.

    Meine Frage a n und, ja, auch Schwierigkeit m i t dem Haiku ist seine Perspektivität:
    
Mir sind Haiku näher, die a u s einem Ereignis h e r a u s – gleichsam streng und objektiv – auf etwas aufmerksam machen oder auch zwei Wahrnehmungen miteinander verknüpfen. 
Hier aber wird ein Vorgang mit einem Symbol verbunden und dadurch qualitativ aufgeladen. Dadurch wird die Grenze zwischen Haiku im klassisch strengen Sinne und Gedankenlyrik verwischt

    Aber: Warum denn nicht?! Sind starre Grenzen nicht eher etwas für Grenzzaunenthusiasten und weniger für Landschaftsgestalter?
    
Durch die hier vorgetragene Sicht eröffnet das Haiku eine subjektive Perspektive, eine Einsicht in die Zartheit des Lebens, die sich in der Zartheit einer Autorenseele spiegelt. Und das ist nicht gerade wenig heutzutage.

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