25. am seichten Ufer

am seichten Ufer
den Kaulquappen zuschauen –
so endet mein Tag

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9 Gedanken zu “25. am seichten Ufer

  1. … zur Abendstunde, ich habe mich jetzt neben das LyrIch gesetzt, auf das raue Holz der kleinen Bank, die ewig niemand gestrichen hat … habe über das und in das Wasser geschaut und mich über dieses Haiku gefreut, dass mir wirklich sehr gefällt … den Tag ausklingen lassen, leise, manches Revue passieren und die Seele baumeln lassen, dem Wind lauschen … wie er im Schilfgürtel flüstert … eine gute neue Woche …

  2. Aus einer der Kaulquappen scheint dann Bashos Frosch geworden zu sein 😉 Ein sehr schönes Haiku, sozusagen „klassisch“, wie es mir persönlich nach wie vor am besten gefällt 😊

  3. Dieses Haiku wirkt friedlich, das stimmt, aber c ist es, das mich doch recht stört. Es verschließt die Offenheit, wie die Poren der vertieften Wahrnehmung, ich kann nur noch nachvollziehen. Außerdem ist mir die Zeile derart altmodisch formuliert (mit dem Wort „so“), dass die Betulichkeit, die daraus verströmt, sich für mich lähmend auf das ganze Haiku legt. Bestimmt zeltet der Mensch nicht am Ufer (denn nur dann könnte man mit Gewissheit sagen, dass JETZT sofort der Tag endet) Wo ist das zweite Bild? Wo sind die Sterne, wo Geräusche oder Düfte? Mich hinterlässt das Haiku leerer als ich vor dem Lesen war.

  4. „Nach dem Abendbrot gehe ich noch kurz in den Garten, trinke ein Gläschen Wein und lese die Tageszeitung…“ Eine solche Aufzählung könnte gut schließen mit der Feststellung „… so endet mein Tag“. Der Tag kann also mit einer Reihe von Tätigkeiten enden, wenn dieses eine Wort benutzt wird, es muss nicht abrupt Schluss sein… In meinem Beispiel würde ich das Wort „Abendbrot“ vielleicht als etwas „altertümlich“ bezeichnen und durch „Abendessen“ ersetzen, aber das ist Geschmackssache – und nur Brot abends ist weiterhin nicht unüblich und von daher nach wie vor treffend -, mit dem Wörtchen „so“ Betuliches zu verbinden, fällt mir hingegen so schwer, dass es mir einfach nicht gelingt… Es ist natürlich sehr schade, wenn ein Haiku nicht den berühmten Nachhall erzeugt, sondern ein Gefühl der Leere hinterlässt, aber diese Leere beim friedlichen Betrachten von Kaulquappen mit Sternen, Geräuschen und Düften füllen zu wollen, ist in meinen Augen eine klare Überforderung der kleinen Form, das wäre „Stoff“ für viele weitere Haikus… Ich bin gespannt und freue mich drauf 😊

    1. PS: „altmodisch“ war das Wort, das mit dem Wörtchen „so“ verbunden wurde, ich hatte es bei meiner Antwort auf dem kleinen Display nicht präsent

    1. Ich war und bin mir auch sehr sicher, dass es negativ gemeint ist und nicht im Sinne von „leer werden“, sich frei machen von unnötigem Inhalt, offen werden…

  5. … das highlight dieses Haiku sind ja die Kaulquappen, sie bilden für mich die zweite Ebene zum seichten Ufer und zum endenden Tag … und morgen komme ich wieder her und schaue wie sie sich entwickelt haben 😉 … es negativ zu sehen kam mir gar nicht in den Sinn … zum Ende des Tages leer werden, wem das gelingt, beim Anblick des Wassers und des quirligen Lebens darin, wunderbar … allein sein, sitzen und staunen was es mit einem macht 🙂

  6. Ein einfaches und klares Haiku voll menschlicher Tiefe – gerade weil es das Seichte nicht ausklammert.
    Nach einem anstrengenden Tag sind die Kräfte nun einmal verbraucht. Dann ist es trotz mancher Angebote des Eventbusiness nicht Zeit für weitere Höhenflüge oder Tiefenbohrungen, dann finden wir uns einfach am seichten Ufer wieder, wo der Tag ruhig dahinfließen kann und wir mühelos auf den Grund sehen.
    Absichtslose Entspannung darf sich jetzt in uns ausbreiten. Das ist die natürliche Voraussetzung für neue Anfänge und verändert auch unseren Blick. Kaulquappen werden sichtbar, Wesen im Werden, die noch keine großen Sprünge machen wie die ausgereiften Frösche. Sie bewegen sich mühelos in und mit ihrem Element und werden hier im Haiku zu Weisheitslehrern, die uns den Weg zurück zu unseren Ursprüngen zeigen.
    So kann mein Tag enden und eine gute Nacht beginnen.

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