26. Sommernachtsgefühl

Sommernachtsgefühl:
Huhn und Zunge
zwischen den Zähnen.

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4 Gedanken zu “26. Sommernachtsgefühl

  1. Hat dieses Haiku allen Betrachtern die Sprache verschlagen?
    Sommernachtsgefühle haben doch meistens etwas Erhebendes und laden oft zum Schwärmen ein.

    Ganz anders hier.
    Da scheint einer ganz auf sich selbst zurückgeworfen zu sein und buchstäblich die Schnauze voll zu haben.
    Es kann kaum anders sein als nach einer Grillparty.
    Die Reste des genossenen Hühnerfleisches haben sich zwischen den Zähnen festgesetzt.
    Die Zunge ist nun damit ausschließlich damit beschäftigt.
    Da gibt es nichts anderes zu sagen.
    Desillusionierende Augenblicke sind das.
    Aber das gibt es.
    Auch im Haiku.
    Da weiß man dann,
    ohne dass überhaupt schon etwas gesagt wäre,
    auch als Betrachter nichts mehr zu sagen.

    1. Mit diesem Dreizeiler wusste ich wirklich nichts anzufangen, vor allem nicht in Verbindung mit ‚Sommernachtsgefühl’… Wenn statt „Huhn und Zunge“ „Hahn und Zange“ zu lesen gewesen wäre, hätte ich mich ebenfalls in Schweigen gehüllt, gespannt auf die Auflösung am Montagnachmittag (falls nicht jemand vorher Erhellendes beizutragen gewusst hätte).

  2. Da ich auch mit Sommernachtsgefühl was Schönes verbinde, sehe ich in diesem Haiku mehrere Personen und nicht nur eine. Hat da nicht Der/Die Haikuschreiber/in ein erotisches Abenteuer versteckt? (Wer denkt schon ans Zähneputzen, mit einer Zunge im Mund?)

    Oder falls doch nur eine Person könnte es auch ein Reisender sein der einer Zeremonie beiwohnt, die Mit Huhn und Zunge zu tun hat. Bräuche, Sitten fremder Völker.

    Hier hätte man mit der Gedankenschaufel tiefer graben können.

  3. Es mag sein, dass der / die AutorIn hier etwas verstecken wollte. Wir wissen es nicht. Und es mag reizvoll sein, dazu eine Geschichte zu erfinden…
    Nur ist das meines Wissens nicht der Weg und Sinn von Haiku.
    Das Haiku versteckt nicht. Das Haiku zeigt. Es zeigt uns Dinge und Zusammenhänge, die im schlichten Gewand des Alltäglichen offen vor uns liegen. Da muss nicht gegraben und enträtselt oder ein Zusammenhang konstruiert werden. Da heißt es nur zu schauen, stille zu werden, sich ansprechen zu lassen und – so der Geist des Haiku überspringt wie ein Funke, der das Feuer in sich trägt, – sich davon erleuchten zu lassen.
    Nicht hinter oder unter dem Alltäglichen verbirgt sich das Haiku, es wartet im Alltäglichen auf seinen Empfang.

    In diesem Geschehen vollzieht sich Haiku als eine Art spirituelles Ereignis. Diese Dimension droht m. E. beim modernen Haiku-Machen, das aus künstlerischer Absicht heraus betrieben wird, in den Hintergrund, wenn nicht gar in Vergessenheit zu geraten

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