27. Dauerregen

Dauerregen.
Die Ackerfurche wird
Vogeltränke.

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3 Gedanken zu “27. Dauerregen

  1. Die schlichte Klarheit dieses Textes wurde in den beiden vorangehenden Kommentaren schon gewürdigt.
    Die Wahrnehmung eines Geschehens in der ländlichen Natur wird in Worte transformiert.
    Ein komplexer Vorgang, an dem Himmel und Erde, Mensch und Tier und der Fluss der Zeit beteiligt sind, wird durch das enge Nadelöhr von fünf Worten in das Reich der Sprache gezogen. Und auf der anderen Seite können sich diese Worte im Hören und Imaginieren in eine neue Dimension weiten. Dem Verlust an Vielfalt und Dichte der sinnlichen Wahrnehmung steht im Reich der Worte auch ein Gewinn gegenüber:
    Es werden Zusammenhänge erkennbar, es tun sich Perspektiven auf, es treten Bedeutungen hervor.

    Schon mit dem ersten Wort Dauerregen wird der bloße Augenblick der Wahrnehmung in eine ausgedehnte Zeitlichkeit hinaus überschritten, aber auch die Sphäre der menschlichen Wertungen und Emotionen wird berührt. Schwingt da ein Be-dauern mit? Ebenso ist die Ackerfurche weit mehr als nur eine Rinne im Boden. Hier sind Menschen am Werk, hier wird Landwirtschaft betrieben. Da spielt der Regen eine große Rolle. Er ist ein wichtiges Bindeglied im Kreislauf von Natur und Wachstum. Sein Ausbleiben wie sein unaufhörliches Andauern unter- bzw. überschreiten das Maß der menschlichen Erwartungen und gefährden die Ziele seines Handelns. Aus der Perspektive des Menschen ist dann alsbald von Unwettern und Katastrophen die Rede. Doch das zeigt im Grunde nur, wie schmal der Streifen ist, den wir der Natur als Normalität zubilligen, wenn wir sie für unsere Zwecke benutzen. Die Natur selbst bekümmert das freilich nicht. Sie schafft sich unablässig neue Wirkungsfelder. Die vom Menschen gezogene Ackerfurche wird mit dem Dauerregen eine Vogeltränke.

    So wird eine Veränderung, Störung oder auch Gefährdung menschlicher Handlungszusammenhänge im größeren Gesamtgeschehen der Natur gleichzeitig zur Quelle neuer Lebensmöglichkeiten.
    Das Haiku zeigt diese verschiedenen Ebenen auf und weitet damit die Perspektive unserer Betrachtung, indem es uns zugleich an die Enge unseres eigenen Handelns und Lebens erinnert.

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