32. warmgewalzt

warmgewalzt . . .

die austenitische Phase

unserer Zweifel

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2 Gedanken zu “32. warmgewalzt

  1. Beim ersten Lesen habe ich gestöhnt: die austenitische Phase – das kenne ich nicht!
    Und mein nächster – zugegeben, etwas selbstherrlicher – Gedanke war: Das weiß kein Mensch!
    Doch gerade bei Selbstherrlichkeiten sind immer Zweifel angebracht. Und um die geht es ja auch in diesem Haiku. Wenigstens der Autor muss ja, wenn er sich hier nicht einfach einen provokanten Scherz erlaubt hat, etwas unter „austenitisch“ verstehen.
    Also ran an die Suchmaschine!

    „Die austenitische Phase (definiert durch die kubisch-flächenzentrierte Gitterstruktur) kommt zwischen den Temperaturen 1392 °C und 911 °C als γ-Eisen bei reinem Eisen vor. Bei der Abkühlung bildet sie sich aus dem δ-Ferrit durch eine polymorphe Umwandlung.“,
    lese ich in https://de.wikipedia.org/wiki/Austenit_(Phase)
    und fühle mich schon ein eisenfeilspankleinwenig klüger.
    Kein Zweifel: Man lernt nie aus!

    Weiter lese ich,
    dass die austenitische Phase paramagnetische Eigenschaften hat, also nicht magnetisierbar ist.

    Jetzt fühle ich mich schon richtig angezogen.
    Moment, denke ich:
    Zweifel, das kennst du doch, Zweifel ziehen mehr Zweifel an.
    Das ist doch häufig so eine Spirale,
    die sich mitunter gern bis zu einer Verschwörungstheorie hochschraubt.

    Haben meine Zweifel – so irgendwo zwischen 1392 °C und 911 °C –
    auch eine austenitische Phase, wo sie keine anderen Zweifel mehr anziehen?
    Das wäre doch wirklich mal eine wichtige Erkenntnis, die auch und gerade im Alltags- wie im Haikuleben fruchtbar genutzt werden könnte!
    Zweifel können ja schädlich und zersetzend, aber auch gut und produktiv sein.
    Wenn man nun diese austenitische Phase der Zweifel gezielt im Auge haben würde,
    dann wäre man doch vielleicht ein ganzes Stück weiter,
    oder?!

    Aber wie soll das gehen?
    Vielleicht gibt die erste Zeile einen weiteren Hinweis: warmgewalzt.
    Das muss es sein!
    „Als Warmwalzen bezeichnet man den Walzprozess eines Walzguts (Brammen, Knüppel, Draht etc.) bei einer Temperatur oberhalb der Rekristallisationstemperatur des zu verarbeitenden Metalls.“
    Hier steht’s: https://de.wikipedia.org/wiki/Warmwalzen

    Also über die Rekristallisationstemperatur meiner Zweifel muss die Sache schon getrieben werden,
    damit ich in die austenitische Phase komme!
    Rekristallisieren Zweifel auch?
    Und wie!
    Sie bilden sich doch nach bestimmten Mustern und blockieren mitunter mit ihrer kristallinen Struktur und Härte ganze Denkwege!
    Sie müssen also verflüssigt werden, damit auch mein Bewusstseinsstrom wieder fließen kann
    und nicht im und am Zweifel erstickt.
    Warmwalzen erscheint als wegweisende Lösung.
    Da Zweifel ohnenhin gewälzt werden, erscheint das ziemlich einleuchtend.
    Gefährlich wäre dann vor allem der kalte Zweifel.

    Was für ein Haiku!
    Gibt es noch Zweifel?
    Immerhin wissen wir jetzt, wie wir mit ihnen umgehen können!

  2. … lieber Heinz, ich habe den Kommentar zum warmgewalzt-haiku gründlich gelesen und freue mich
    über die Wegweiser in diese und jene Richtung … ohne Zweifel, eine wunderbare Auseinandersetzung … aus dem Nass-in-Nass im Mansfeldischen, Ramona

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